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Abkür­zun­gen im Text

Illustration: auf Lippe beißen mit dem Text: "etc. pp. Ein Problem für Screenreader".
Abkürzungen sind im Fließtext praktisch. Für Screenreader-Nutzende aber oft eine Hürde. „BFSG“, „CMS“ oder „z. B.“ werden buchstabiert oder unverständlich vorgelesen. Barrierefreier Content bedeutet, wichtige Begriffe beim ersten Mal auszuschreiben, Abkürzungen technisch korrekt auszuzeichnen und Fachkürzel zu erklären. So wird Sprache klarer, zugänglicher und inklusiver für alle, die Inhalte lesen, hören oder ertasten.
4 Min. Lesezeit

Warum Abkür­zun­gen ein Bar­rie­re­frei­heits­pro­blem sind

Screen­rea­der wan­deln Text in Spra­che oder Braille um und arbei­ten dabei Zei­chen für Zei­chen. Sie ver­ste­hen“ nicht auto­ma­tisch, was du gemeint hast, son­dern was du geschrie­ben hast. 
  • z. B.“ kann je nach Screen­rea­der halb­wegs ver­ständ­lich oder sehr holp­rig vor­ge­le­sen werden.

  • Fach­ab­kür­zun­gen wie BFSG“, CMS“, KfW“ oder interne Kürzel werden oft buch­sta­biert, ohne Kon­text zu liefern.

  • Sel­tene oder mehr­deu­tige Abkür­zun­gen (z. B. id.“, n. n.“) lassen Nutzer:innen kom­plett im Dun­keln zurück.

Für sehende Men­schen ist die Auf­lö­sung oft aus Layout, Kon­text oder Fuß­note erkenn­bar. Für Screenreader-Nutzende bedeu­tet das im Zwei­fel: Ich höre hier Buch­sta­ben­sa­lat.“ Die WCAG adres­sie­ren dieses Pro­blem mit dem Erfolgs­kri­te­rium 3.1.4 Abbre­via­ti­ons“: Nutzer:innen müssen die Mög­lich­keit haben, die voll­stän­dige Bedeu­tung von Abkür­zun­gen herauszufinden. 

Was Screen­rea­der mit Abkür­zun­gen machen

Moderne Screen­rea­der haben teil­weise inte­grierte Wör­ter­bü­cher“ für bekannte Abkür­zun­gen einer Spra­che. Das funk­tio­niert aber nur eingeschränkt:

  • Häu­fige All­tags­ab­kür­zun­gen („z. B.“, Nr.“) werden manch­mal kor­rekt auf­ge­löst, manch­mal nicht – abhän­gig von Sprach­ein­stel­lung, Stimme und Kontext.

  • Projekt- oder Bran­chen­jar­gon ist in diesen Wör­ter­bü­chern in der Regel nicht enthalten.

  • In PDF und Word-Dokumenten können Abkür­zun­gen ohne zusätz­li­che Aus­zeich­nung gar nicht oder nur sehr unein­heit­lich inter­pre­tiert werden.

Barriere­freiheit heißt: Du ver­lässt dich nicht auf die Intel­li­genz“ des Screen­rea­ders, son­dern berei­test deine Inhalte so auf, dass auch ohne Raten klar ist, was gemeint ist.

Best Prac­ti­ces: So machst du Abkür­zun­gen barriereärmer

1. Erst­nen­nung immer ausschreiben

Bei der ersten Erwäh­nung im Text schreibst du den Begriff voll­stän­dig und ergänzt die Abkür­zung in Klammern.

  • Barriere­freiheits­stärkungs­gesetz (BFSG)“ statt direkt BFSG“
  • Content-Management-System (CMS)“ statt nur CMS“

Alt-Text wird nur dann Teil des zugäng­li­chen Namens, wenn er tat­säch­lich im <img> ⁣inner­halb des Links steckt.

So haben alle Leser:innen, mit und ohne Screen­rea­der, sofort einen seman­ti­schen Anker.

2. Abkür­zun­gen im Code auszeichnen

Auf Web­sites kannst du das HTML-Element <abbr> mit title-Attribut nutzen:

<abbr title=“zum Beispiel”>z. B.</abbr>
<abbr title=“Barrierefreiheitsstärkungsgesetz”>BFSG</abbr>

Viele Screen­rea­der können den Erwei­te­rungs­text gezielt abru­fen oder vor­le­sen, wenn Nutzer:innen das wün­schen. So bleibt der Text visu­ell kom­pakt, ist aber seman­tisch reicher.

3. Erwei­te­rungs­texte in PDFs und Office-Dokumenten

In PDF/UA-konformen Doku­men­ten kannst du Erwei­te­rungs­texte hin­ter­le­gen, die nur von assis­ti­ven Tech­no­lo­gien aus­ge­ge­ben werden. 

Die sicht­bare Abkür­zung bleibt BFSG“.

Im Hin­ter­grund wird bei­spiels­weise Barriere­freiheits­stärkungs­gesetz“ als Erwei­te­rungs­text hinterlegt.

Dadurch können Screenreader-Nutzer:innen sich die volle Form vor­le­sen lassen, ohne dass der visu­elle Text auf­ge­bläht wird.

4. Abkür­zungs­flut vermeiden

Auch ohne Tech­nik kannst du viel gewin­nen, wenn du Abkür­zun­gen spar­sam einsetzt: 
  • Unnö­tige Kürzel („bzg.“, usw.“, ua.“) durch Klar­text ersetzen.

  • In Einsteiger-Texten und für breite Ziel­grup­pen mög­lichst wenig Fach­kür­zel verwenden.

  • In Glos­sa­ren oder FAQ zen­trale Begriffe kurz erklä­ren – hilf­reich für alle, nicht nur für Screenreader-Nutzende.

Barriere­freiheit ist hier deckungs­gleich mit guter, klarer Sprache. 

Für wen Abkür­zun­gen zusätz­lich schwie­rig sind

Es geht nicht nur um blinde Nutzer:innen:

  • Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten haben oft Mühe, viele Abkür­zun­gen zu entschlüsseln.

  • Men­schen, die eine Spra­che nicht als Mut­ter­spra­che spre­chen, stol­pern eben­falls über Kürzel, die kul­tu­rell oder regio­nal geprägt sind.

  • Per­so­nen mit kogni­ti­ven Ein­schrän­kun­gen oder Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­men pro­fi­tie­ren enorm von aus­ge­schrie­be­nen Begrif­fen und kon­sis­ten­ten Bezeichnungen.

Abkür­zun­gen sind also gleich mehr­fach exklu­die­rend und clea­ner Text gleich mehr­fach inklusiv.

Fazit

Abkür­zun­gen soll­ten bewusst, nicht auto­ma­tisch ein­ge­setzt werden.
Abkür­zun­gen sind nicht per se ver­bo­ten“, aber unkon­trol­liert ein­ge­setzt sind sie nicht barriere­frei. Screen­rea­der lesen, was du schreibst, nicht, was du meinst.

Wenn du digi­tal barriere­frei und zukunfts­si­cher arbei­ten willst, gilt:

  • Wich­ti­ges min­des­tens bei der ersten Nen­nung ausschreiben.

  • Abkür­zun­gen tech­nisch aus­zeich­nen (HTML <abbr>, Erwei­te­rungs­texte in PDF/UA).

  • Fach- und Pro­jekt­kür­zel erklä­ren oder in einem gut auf­find­ba­ren Glos­sar hinterlegen.

So stärkst du Ver­ständ­lich­keit, Zugäng­lich­keit und letzt­lich die Wir­kung deiner Inhalte – egal, ob sie gele­sen, gehört oder ertas­tet werden.

Bei amsel­reh­hase ent­wi­ckeln und prüfen wir bar­rie­re­freie Pro­jekte. Buchen Sie uns für bar­rie­re­freie Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel! Schrei­ben Sie uns eine E‑Mail!

amsel­reh­hase | 20.01.2026

Ver­ein­fachte Zusammenfassung

Screen­rea­der lesen Abkür­zun­gen oft komisch vor. Das kann Men­schen ver­wir­ren. Schreibe wich­tige Wörter beim ersten Mal ganz aus und erkläre Abkür­zun­gen. So können alle den Text besser verstehen.

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