Warum Abkürzungen ein Barrierefreiheitsproblem sind
„z. B.“ kann je nach Screenreader halbwegs verständlich oder sehr holprig vorgelesen werden.
Fachabkürzungen wie „BFSG“, „CMS“, „KfW“ oder interne Kürzel werden oft buchstabiert, ohne Kontext zu liefern.
Seltene oder mehrdeutige Abkürzungen (z. B. „id.“, „n. n.“) lassen Nutzer:innen komplett im Dunkeln zurück.
Was Screenreader mit Abkürzungen machen
Moderne Screenreader haben teilweise integrierte „Wörterbücher“ für bekannte Abkürzungen einer Sprache. Das funktioniert aber nur eingeschränkt:
Häufige Alltagsabkürzungen („z. B.“, „Nr.“) werden manchmal korrekt aufgelöst, manchmal nicht – abhängig von Spracheinstellung, Stimme und Kontext.
Projekt- oder Branchenjargon ist in diesen Wörterbüchern in der Regel nicht enthalten.
In PDF und Word-Dokumenten können Abkürzungen ohne zusätzliche Auszeichnung gar nicht oder nur sehr uneinheitlich interpretiert werden.
Barrierefreiheit heißt: Du verlässt dich nicht auf die „Intelligenz“ des Screenreaders, sondern bereitest deine Inhalte so auf, dass auch ohne Raten klar ist, was gemeint ist.
Best Practices: So machst du Abkürzungen barriereärmer
1. Erstnennung immer ausschreiben
Bei der ersten Erwähnung im Text schreibst du den Begriff vollständig und ergänzt die Abkürzung in Klammern.
- „Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)“ statt direkt „BFSG“
- „Content-Management-System (CMS)“ statt nur „CMS“
Alt-Text wird nur dann Teil des zugänglichen Namens, wenn er tatsächlich im <img> innerhalb des Links steckt.
So haben alle Leser:innen, mit und ohne Screenreader, sofort einen semantischen Anker.
2. Abkürzungen im Code auszeichnen
Auf Websites kannst du das HTML-Element <abbr> mit title-Attribut nutzen:
<abbr title=“zum Beispiel”>z. B.</abbr>
<abbr title=“Barrierefreiheitsstärkungsgesetz”>BFSG</abbr>
Viele Screenreader können den Erweiterungstext gezielt abrufen oder vorlesen, wenn Nutzer:innen das wünschen. So bleibt der Text visuell kompakt, ist aber semantisch reicher.
3. Erweiterungstexte in PDFs und Office-Dokumenten
In PDF/UA-konformen Dokumenten kannst du Erweiterungstexte hinterlegen, die nur von assistiven Technologien ausgegeben werden.
Die sichtbare Abkürzung bleibt „BFSG“.
Im Hintergrund wird beispielsweise „Barrierefreiheitsstärkungsgesetz“ als Erweiterungstext hinterlegt.
Dadurch können Screenreader-Nutzer:innen sich die volle Form vorlesen lassen, ohne dass der visuelle Text aufgebläht wird.
4. Abkürzungsflut vermeiden
Unnötige Kürzel („bzg.“, „usw.“, „ua.“) durch Klartext ersetzen.
In Einsteiger-Texten und für breite Zielgruppen möglichst wenig Fachkürzel verwenden.
In Glossaren oder FAQ zentrale Begriffe kurz erklären – hilfreich für alle, nicht nur für Screenreader-Nutzende.
Für wen Abkürzungen zusätzlich schwierig sind
Es geht nicht nur um blinde Nutzer:innen:
Menschen mit Lernschwierigkeiten haben oft Mühe, viele Abkürzungen zu entschlüsseln.
Menschen, die eine Sprache nicht als Muttersprache sprechen, stolpern ebenfalls über Kürzel, die kulturell oder regional geprägt sind.
Personen mit kognitiven Einschränkungen oder Konzentrationsproblemen profitieren enorm von ausgeschriebenen Begriffen und konsistenten Bezeichnungen.
Abkürzungen sind also gleich mehrfach exkludierend und cleaner Text gleich mehrfach inklusiv.
Fazit
Abkürzungen sollten bewusst, nicht automatisch eingesetzt werden.
Abkürzungen sind nicht per se „verboten“, aber unkontrolliert eingesetzt sind sie nicht barrierefrei. Screenreader lesen, was du schreibst, nicht, was du meinst.
Wenn du digital barrierefrei und zukunftssicher arbeiten willst, gilt:
Wichtiges mindestens bei der ersten Nennung ausschreiben.
Abkürzungen technisch auszeichnen (HTML <abbr>, Erweiterungstexte in PDF/UA).
Fach- und Projektkürzel erklären oder in einem gut auffindbaren Glossar hinterlegen.
So stärkst du Verständlichkeit, Zugänglichkeit und letztlich die Wirkung deiner Inhalte – egal, ob sie gelesen, gehört oder ertastet werden.
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amselrehhase | 20.01.2026
Vereinfachte Zusammenfassung
Screenreader lesen Abkürzungen oft komisch vor. Das kann Menschen verwirren. Schreibe wichtige Wörter beim ersten Mal ganz aus und erkläre Abkürzungen. So können alle den Text besser verstehen.



