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Brau­chen wir noch Frontend-Entwickler?

Zwei Hände halten ein Smartphone und darüber schweben Brackets und ein Bleistift.
„Die Weiterbildung zum Frontend-Entwickler streichen wir aus dem Portfolio, weil das bald alles die KI macht.“ Dieser Satz klingt modern, ist aber das Gegenteil und eher eine Einladung zur Qualifikationslücke. KI verändert Frontend-Entwicklung, aber sie macht sie nicht überflüssig. Entscheidend wird, wer beides kann: Frontend und KI.
4 Min. Lesezeit

KI macht das dem­nächst alles.“ Warum Frontend-Weiterbildung jetzt erst recht Sinn ergibt.

Die Wei­ter­bil­dung zum Frontend-Entwickler nehmen wir aus unse­rem Port­fo­lio, weil dem­nächst alles von der KI gemacht wird.“

Diesen Satz habe ich kürz­lich gehört. Er ist ein per­fek­tes Bei­spiel für Tech-Panik ohne Strategie.

1. Was KI heute in der Frontend-Entwicklung wirk­lich kann

Ja, KI ver­än­dert Front­end radi­kal. Aber sie ver­än­dert vor allem, wie wir arbei­ten, nicht ob wir arbeiten.

Aktu­elle Trends in der Web­ent­wick­lung zeigen klar:

  • KI-gestützte Ent­wick­lung ist 2026 einer der wich­tigs­ten Frontend-Trends.

  • KI schreibt Grund­ge­rüste, schlägt Kom­po­nen­ten vor, findet Bugs und hilft bei Refactoring.

  • Entwickler:innen nutzen KI wie einen per­fek­ten Assis­ten­ten. Sie geben Ziel, Struk­tur und Qua­li­täts­maß­stäbe vor.

Oder anders: KI baut dir viel­leicht ein For­mu­lar. Aber sie ent­schei­det nicht, wie der Flow für Men­schen mit Screen­rea­dern aus­se­hen muss, welche Daten vali­diert werden, welche Feh­ler­mel­dun­gen sinn­voll sind und wie das Ganze im Pro­dukt­kon­text funktioniert.

2. Warum Frontend-Skills nicht ver­schwin­den, son­dern sich upgraden

Wenn wir uns anschauen, wie moderne Wei­ter­bil­dun­gen aus­se­hen, ist das Bild eindeutig:

  • Pro­gramme wie Front­end Deve­lo­per mit KI-Basics“ oder Web Deve­lo­p­ment & KI“ kom­bi­nie­ren klas­si­sche Skills (HTML, CSS, JS, React) mit AI-Kompetenzen.

  • Gefragt sind Men­schen, die beides können: Code ver­ste­hen und KI sinn­voll steu­ern, bewer­ten und korrigieren.

Denn KI:

  • kennt keine recht­li­chen Rahmen wie BFSG, DSGVO oder Markenrichtlinien,

  • weiß nicht, was für deine Ziel­gruppe gerade sinn­voll, ver­ständ­lich oder zumut­bar ist,

  • erkennt nicht aus sich heraus, ob ein Inter­face inklu­siv ist oder schlicht hübsch aussieht.

Das bleibt Auf­gabe von Men­schen. Idea­ler­weise von Leuten, die beide Welten spre­chen. Front­end und KI.

3. Was eine gute Frontend-Weiterbildung heute leis­ten sollte

Die rich­tige Reak­tion auf KI ist nicht: Wir hören auf, aus­zu­bil­den.“ Die rich­tige Reak­tion ist: Wir bilden anders aus.“

Eine zukunfts­fä­hige Frontend-Weiterbildung sollte:

  • klas­si­sche Grund­lagen wei­ter­hin sauber ver­mit­teln (Seman­tik, Acces­si­bi­lity, Per­for­mance, UX-Grundlagen),
  • moderne Tools und Frame­works abde­cken (React, Vue, Svelte, Meta-Frameworks und mehr),
  • KI als festen Bestand­teil inte­grie­ren: Promp­ting für Code, Feh­ler­su­che, Tests, Doku, aber auch Gren­zen und Risiken.

Damit werden Men­schen aus­ge­bil­det, die:

  • KI-Output fach­lich prüfen können, statt blind zu vertrauen,

  • AI-Tools in Teams integrieren,

  • Ver­ant­wor­tung für User Expe­ri­ence, Barriere­freiheit und Qua­li­tät übernehmen.

4. Warum KI macht das alles“ ein gefähr­li­ches Nar­ra­tiv ist

Die Aus­sage KI macht das dem­nächst alles“ hat zwei große Risiken:

  1. Qua­li­fi­ka­ti­ons­lü­cke:
    Wer heute keine Frontend-Ausbildung mehr anbie­tet, sorgt dafür, dass in weni­gen Jahren genau die Fach­kräfte fehlen, die KI sinn­voll ein­set­zen und kor­ri­gie­ren können.

  2. Ver­ant­wor­tungs­lü­cke:
    Wenn wir sug­ge­rie­ren, KI könne kom­plexe Inter­faces kom­plett alleine bauen, blen­den wir Ver­ant­wor­tung aus – für Sicher­heit, Ethik, Inklu­sion, Nachhaltigkeit.

Auch 2026 gilt: KI ersetzt keine Ver­ant­wor­tung. Sie kann schlechte Pro­zesse nur schnel­ler machen.

Warum die Aus­sage falsch liegt

KI über­nimmt Rou­ti­ne­auf­ga­ben (Boilerplate-Code, ein­fa­che Kom­po­nen­ten, erste Pro­to­ty­pen), Front­end bleibt aber kreativ-komplex.

  • KI als Copi­lot, nicht Ersatz: Tools wie GitHub Copi­lot beschleu­ni­gen Coding um 30 – 50%, Entwickler:innen fokus­sie­ren Logik, Inte­gra­tion, Barriere­freiheit, Performance-Optimierung.

  • Job­markt boomt: 2026-Trends: KI-gestützte Ent­wick­lung, Server-first UI, Web­As­sem­bly. Nach­frage nach Frontend-Entwickler:innen mit KI-Know-how steigt (z. B. React + AI-Jobs bei KPMG, Lightspeed).

  • Wei­ter­bil­dun­gen passen sich an: Kurse wie Front­end Deve­lo­per mit KI-Basics“ (cim­data) oder Web Deve­lo­p­ment & KI“ (neu­e­fi­sche) boomen – genau weil Skills (React, PWA, ARIA + KI) gefragt sind.

Auf­ga­ben: Rou­tine (KI über­nimmt) versus Kom­plex (Mensch bleibt)
Rou­tine (KI übernimmt)Kom­plex (Mensch bleibt)
HTML/CSS-BoilerplateCustom UX, Barriere­freiheit (WCAG/BFSG)
Ein­fa­che KomponentenPer­for­mance, Cross-Browser, Security
Pro­to­ty­p­ingInte­gra­tion (APIs, Ser­ver­less, Agen­tic AI)

Fazit

Als Dozen­tin und Desi­gne­rin finde ich, Frontend-Weiterbildungen abzu­schaf­fen, weil die KI das macht“, ist wie zu sagen:
Wir brau­chen keine Architekt:innen mehr, weil wir jetzt BIM-Software haben.“

Die Frage ist nicht, ob KI kommt. Sie ist längst da. Die Frage ist, ob wir Men­schen aus­bil­den, die sie reflek­tiert nutzen können.

Mein Vor­schlag:
Wei­ter­bil­dun­gen nicht strei­chen, son­dern wei­ter­ent­wi­ckeln, mit klarem Fokus auf:

  • Front­end + KI,
  • Acces­si­bi­lity & Nachhaltigkeit,
  • prak­ti­sche, rea­li­täts­nahe Pro­jekte statt reiner Tool-Schulungen.

Oder in einem Satz: KI ersetzt keine Frontend-Entwickler:innen, aber Frontend-Entwickler:innen ohne KI im Werk­zeug­kas­ten werden es schwer haben.

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Jana | amsel­reh­hase | 22.01.2026

Ver­ein­fachte Zusammenfassung

KI kann beim Pro­gram­mie­ren helfen, aber sie ersetzt keine Men­schen. Wir brau­chen weiter Frontend-Profis, die Web­sites planen, prüfen und für alle nutz­bar machen. Eine gute Aus­bil­dung ver­bin­det Front­end und KI

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