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BFSG ein Jahr später – was Unter­neh­men jetzt gelernt haben

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Ein Jahr BFSG: Welche Herausforderungen haben Unternehmen unterschätzt und warum Barrierefreiheit weit mehr ist als ein technisches Projekt.
5 Min. Lesezeit

Die gute Nach­richt: Barriere­freiheit ist ange­kom­men. Die schlechte Nach­richt: Jetzt beginnt die Arbeit.

Als das Barriere­freiheits­stärkungs­gesetz (BFSG) näher rückte, herrschte in vielen Unter­neh­men eine Mischung aus Unsi­cher­heit und Betrieb­sam­keit. Oder sie hatten noch nie davon gehört.

Web­sites wurden geprüft. Check­lis­ten erstellt. Accessibility-Tools instal­liert. Manche Unter­neh­men han­del­ten früh­zei­tig, andere war­te­ten bis kurz vor Inkraft­tre­ten. Wieder andere hoff­ten offen­bar auf ein Wunder. Und noch andere wuss­ten nichts davon.

Ein Jahr später lässt sich ein erstes Fazit ziehen:

Die meis­ten Unter­neh­men wissen inzwi­schen, dass digi­tale Barriere­freiheit wich­tig ist. Viele haben Maß­nah­men umge­setzt. Fast alle haben unter­schätzt, wie kom­plex das Thema tat­säch­lich ist.

Das BFSG hat die Dis­kus­sion ver­än­dert. Aus einer frei­wil­li­gen Emp­feh­lung wurde eine kon­krete Anfor­de­rung. Und genau dadurch wurden einige Miss­ver­ständ­nisse sichtbar.

Was viele Unter­neh­men unter­schätzt haben

Barriere­freiheit ist kein Pro­jekt – son­dern ein Prozess

Eine der häu­figs­ten Erwar­tun­gen lautete:

Wir machen unsere Web­site jetzt einmal barriere­frei und sind dann fertig.“

Das klingt ver­nünf­tig. Es funk­tio­niert nur leider nicht.

Web­sites ver­än­dern sich stän­dig. Neue Inhalte werden ver­öf­fent­licht, Bilder aus­ge­tauscht, PDFs hoch­ge­la­den oder For­mu­lare ergänzt.

Jede dieser Ände­run­gen kann neue Bar­rie­ren schaffen.

Barriere­freiheit ver­hält sich eher wie Daten­schutz oder IT-Sicherheit. Nie­mand würde behaup­ten, man habe Daten­schutz im Jahr 2025 erle­digt und müsse sich nie wieder darum kümmern.

Warum sollte es bei Barriere­freiheit anders sein?

Die Tech­nik war selten das größte Problem

Viele Unter­neh­men inves­tier­ten zunächst in tech­ni­sche Prüfungen.

Das ist sinnvoll.

Dabei zeigte sich jedoch schnell, dass die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen oft nicht im Quell­code lagen.

Son­dern in den Inhalten.

Typi­sche Beispiele:

  • PDFs ohne kor­rekte Struktur
  • Feh­lende Alternativtexte
  • Unver­ständ­li­che oder keine Linktexte
  • Schlechte Kon­traste
  • Kom­pli­zierte Formulare
  • Feh­lende Überschriftenhierarchien

Die Soft­ware konnte vieles messen.

Die eigent­li­chen Pro­bleme ent­stan­den häufig dort, wo Men­schen Inhalte erstellen.

Der große Irrtum: Ein Tool macht die Web­site barrierefrei

Ein bemer­kens­wer­tes Phä­no­men der letz­ten Jahre war die Popu­la­ri­tät soge­nann­ter Accessibility-Overlays.

Die Idee klingt verlockend:

Ein klei­nes Widget wird instal­liert und die Web­site soll plötz­lich barriere­frei sein.

Viele Unter­neh­men muss­ten fest­stel­len, dass die Rea­li­tät kom­pli­zier­ter aussieht.

Ein Over­lay kann keine feh­len­den Alter­na­tiv­texte schreiben.

Es kann keine unver­ständ­li­chen Inhalte vereinfachen.

Es kann keine feh­ler­hafte Doku­ment­struk­tur reparieren.

Und es ersetzt keine bar­rie­re­freie Entwicklung.

Die Erkennt­nis daraus ist wertvoll:

Barriere­freiheit ent­steht nicht durch ein Plugin. Sie ent­steht durch gute Gestal­tung, sau­bere Ent­wick­lung und durch­dachte Inhalte.

PDFs blei­ben die größte Baustelle

Wer im ver­gan­ge­nen Jahr Accessibility-Projekte beglei­tet hat, kennt das Muster.

Die Web­site besteht die meis­ten Prüfungen.

Dann kommt der Downloadbereich.

Plötz­lich erscheinen:

  • Bro­schü­ren
  • For­mu­lare
  • Preis­lis­ten
  • Geschäfts­be­richte
  • Infor­ma­ti­ons­blät­ter

Und viele davon erfül­len die Anfor­de­run­gen nicht.

Beson­ders häufig treten Pro­bleme auf bei:

  • feh­len­den Tags
  • unzu­rei­chen­den Lesereihenfolgen
  • Tabel­len­struk­tu­ren
  • For­mu­lar­fel­dern
  • Alter­na­tiv­tex­ten

Viele Unter­neh­men haben erst durch das BFSG erkannt, dass Barriere­freiheit nicht an der Web­site endet.

Ein PDF ist Teil des digi­ta­len Angebots.

Und damit Teil der Verantwortung.

Über 90 Pro­zent aller PDF-Dokumente sind nicht barriere­frei. Aktu­elle Stu­dien der öffent­li­chen Hand zeigen, dass weni­ger als 10 Pro­zent der unter­such­ten Doku­mente die grund­le­gen­den tech­ni­schen Anfor­de­run­gen an Barriere­freiheit (wie den PDF/UA-Standard) erfül­len. Über die Hälfte weist sogar gra­vie­rende Fehler auf. So steht es im Bericht zur Barriere­freiheit von PDF-Dokumenten.

Was heute noch häufig scheitert

Barriere­freiheit wird an Ein­zel­per­so­nen delegiert

In vielen Orga­ni­sa­tio­nen gibt es inzwi­schen eine Person, die für Acces­si­bi­lity zustän­dig“ ist.

Das Pro­blem:

Digi­tale Barriere­freiheit betrifft fast alle Beteiligten.

Desi­gner gestal­ten Oberflächen.

Redak­teure erstel­len Inhalte.

Ent­wick­ler setzen Funk­tio­nen um.

Mar­ke­ting ver­öf­fent­licht Kampagnen.

Wenn nur eine Person das Thema trägt, ent­steht schnell ein Flaschenhals.

Erfolg­rei­che Unter­neh­men haben erkannt:

Barriere­freiheit ist Teamarbeit.

Schu­lun­gen werden unterschätzt

Eine wei­tere Erkenntnis:

Die meis­ten Accessibility-Probleme ent­ste­hen nicht aus bösem Willen.

Son­dern aus Unwissenheit.

Wer nie gelernt hat, wie Über­schrif­ten struk­tu­riert werden, wird Fehler machen.

Wer die Anfor­de­run­gen an Alter­na­tiv­texte nicht kennt, wird sie nicht kor­rekt erstellen.

Wer noch nie von PDF/UA gehört hat, kann keine bar­rie­re­freien PDFs produzieren.

Des­halb inves­tie­ren viele Unter­neh­men inzwi­schen stär­ker in Schu­lun­gen als in Werkzeuge.

Eine gute Entscheidung.

Denn Wissen ska­liert besser als jede Software.

Die Nut­zer­per­spek­tive fehlt

Auto­ma­ti­sche Tests sind hilfreich.

Sie finden viele Fehler.

Sie finden aber nicht alle.

Ein Accessibility-Tool kann bei­spiels­weise erken­nen, ob ein Kon­trast­wert aus­rei­chend ist.

Es kann jedoch nicht beur­tei­len, ob eine Navi­ga­tion ver­ständ­lich auf­ge­baut wurde.

Oder ob ein For­mu­lar tat­säch­lich ein­fach zu bedie­nen ist.

Unter­neh­men, die echte Nutzer ein­be­zie­hen, ent­de­cken oft Pro­bleme, die in keinem Prüf­be­richt auftauchen.

Barriere­freiheit ist letzt­lich keine tech­ni­sche Disziplin.

Sie ist eine Dis­zi­plin der Nutzung.

Die über­ra­schende Erkennt­nis nach einem Jahr BFSG

Die meis­ten Unter­neh­men berich­ten von einer Erfah­rung, die anfangs kaum jemand erwar­tet hatte:

  • Barriere­freiheit hilft nicht nur Men­schen mit Behinderungen.
  • Sie ver­bes­sert die Nut­zung für alle.
  • Bes­sere Navigation.
  • Kla­rere Texte.
  • Ver­ständ­li­chere Formulare.
  • Sauber struk­tu­rierte Inhalte.
  • Höhere Les­bar­keit.
  • Schnel­lere Orientierung.

All das kommt sämt­li­chen Nut­zern zugute.

Die Maß­nah­men, die ursprüng­lich für mehr Teil­habe gedacht waren, führen häufig auch zu einer bes­se­ren User Experience.

Fazit

Ein Jahr nach Inkraft­tre­ten des BFSG zeigt sich ein klares Bild:

Die größte Her­aus­for­de­rung war nie das Gesetz.

Die größte Her­aus­for­de­rung ist die Umset­zung im Alltag.

Unter­neh­men haben gelernt, dass Barriere­freiheit kein ein­ma­li­ges Pro­jekt ist. Sie haben gelernt, dass Tools allein nicht aus­rei­chen. Und sie haben gelernt, dass gute Inhalte oft wich­ti­ger sind als tech­ni­sche Perfektion.

Die viel­leicht wich­tigste Erkennt­nis lautet jedoch:

Digi­tale Barriere­freiheit ist keine zusätz­li­che Auf­gabe neben guter Gestal­tung und guter Nutzerführung.

Sie ist ein wesent­li­cher Bestand­teil davon.

Oder anders gesagt:

Wer seine Web­site für mög­lichst viele Men­schen nutz­bar macht, macht sie meis­tens auch für alle ande­ren besser.

Digi­tale Barriere­freiheit mit amselrehhase

Bei amsel­reh­hase beschäf­ti­gen wir uns mit:

  • bar­rie­re­freiem Webdesign
  • WCAG-konformer Gestal­tung
  • Accessibility-Checks
  • bar­rie­re­freien PDFs
  • Typo­gra­fie & Lesbarkeit
  • Schu­lun­gen rund um digi­tale Barrierefreiheit

Denn gutes Design sollte nicht nur schön aussehen.

Es sollte funktionieren.

Wir ent­wi­ckeln und prüfen bar­rie­re­freie Pro­jekte. Buchen Sie uns für bar­rie­re­freie Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel! Schrei­ben Sie uns eine E‑Mail!

amsel­reh­hase | 24.06.2026

Ver­ein­fachte Zusammenfassung

Ein Jahr nach dem BFSG beschäf­ti­gen sich viele Unter­neh­men erst­mals inten­siv mit digi­ta­ler Barriere­freiheit. Dabei zeigt sich: Die größ­ten Pro­bleme liegen oft nicht in der Tech­nik, son­dern in Inhal­ten, PDFs und Arbeits­ab­läu­fen. Unter­neh­men lernen, dass Barriere­freiheit kein ein­ma­li­ges Pro­jekt ist, son­dern dau­er­haft mit­ge­dacht werden muss.

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