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Warum schlechte Typo­gra­fie eine Bar­riere sein kann

Text "barrierefreie Typograie" steht neben dem Icon für Barrierefreiheit auf gelbem Hintergrund
Barrierefreiheit beginnt nicht erst im Code. Erfahren Sie, warum Schriftgröße, Kontrast und Zeilenabstand entscheidend für gute Lesbarkeit sind.
6 Min. Lesezeit

Es gibt Men­schen, die mit Schrift gestal­ten. Und es gibt Men­schen, die Schrift benut­zen müssen.

Desi­gner und Desi­gne­rin­nen spre­chen gerne über Typo­gra­fie. Über Lauf­wei­ten, x‑Höhen, opti­schen Rand­aus­gleich und die Frage, ob eine Schrift wirkt. Nut­zende hin­ge­gen möchten meis­tens nur eines: den Text lesen.

Zwi­schen diesen beiden Welten ent­steht ein erstaun­lich großes Missverständnis.

Denn Typo­gra­fie ist nicht nur Gestal­tung. Typo­gra­fie ist Zugäng­lich­keit. Und manch­mal ent­schei­det sie dar­über, ob Infor­ma­tio­nen ver­stan­den werden – oder eben nicht.

Eine Web­site kann tech­nisch per­fekt barriere­frei sein. Alle Bilder haben Alter­na­tiv­texte, die Tas­ta­tur­be­die­nung funk­tio­niert und der Kon­trast erfüllt die WCAG-Anforderungen. Wenn die Texte anschlie­ßend in einer schwer les­ba­ren Typo­gra­fie prä­sen­tiert werden, hilft das vielen Men­schen trotz­dem nur begrenzt weiter.

Barriere­freiheit beginnt nicht erst im Code. Sie beginnt oft schon bei der Schrift.

Die schönste Schrift ist wert­los, wenn nie­mand sie lesen kann

Viele Gestal­tungs­ent­schei­dun­gen werden aus ästhe­ti­schen Grün­den getrof­fen. Das ist ver­ständ­lich. Schließ­lich soll eine Web­site pro­fes­sio­nell aussehen.

Pro­ble­ma­tisch wird es, wenn die Gestal­tung wich­ti­ger wird als die Lesbarkeit.

Typi­sche Beispiele:

  • graue dünne Schrift auf weißem Hintergrund
  • zu kleine Schriftgrößen
  • sehr lange Textzeilen
  • enge Zei­len­ab­stände
  • Ver­sa­lien über meh­rere Zeilen
  • deko­ra­tive Schrif­ten für Fließtexte

Auf einem hoch­auf­lö­sen­den Moni­tor oder im Druck mögen solche Ent­schei­dun­gen ele­gant wirken. Für Men­schen mit Seh­be­ein­träch­ti­gun­gen, Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten, Leg­asthe­nie oder alters­be­ding­ten Ein­schrän­kun­gen können sie jedoch zu einer echten Hürde werden.

Die Folge: Der Inhalt ist vor­han­den, wird aber nicht wahrgenommen.

Das ist unge­fähr so sinn­voll wie ein Stra­ßen­schild, das zwar kor­rekt auf­ge­stellt wurde, dessen Schrift aber nur aus zwei Metern Ent­fer­nung lesbar ist.

Schrift­größe matters

Noch immer begeg­net man Web­sites mit Fließ­tex­ten von 14 Pixeln oder weniger.

Tech­nisch mag das funk­tio­nie­ren. Prak­tisch bedeu­tet es für viele Men­schen unnö­tige Anstrengung.

Aktu­elle Emp­feh­lun­gen liegen meist zwi­schen 16 und 20 Pixeln für Fließtexte.

Das bedeu­tet nicht, dass alles riesig dar­ge­stellt werden muss. Es bedeu­tet ledig­lich, dass Nutzer nicht stän­dig zoomen oder die Augen zusam­men­knei­fen müssen.

Wenn Besu­cher eine Web­site lesen wie einen Seh­test beim Augen­arzt, stimmt meis­tens etwas nicht.

Die Sache mit den Zeilenlängen

Ein wei­te­rer Klas­si­ker sind endlos breite Textblöcke.

Der Blick wan­dert ans Ende einer Zeile und sucht anschlie­ßend den Anfang der nächs­ten. Je länger die Zeile, desto schwie­ri­ger wird diese Orientierung.

Beson­ders auf großen Moni­to­ren ent­ste­hen schnell Text­zei­len mit 120 oder mehr Zeichen.

Emp­feh­lens­wert sind etwa 50 bis 80 Zei­chen pro Zeile.

Das klingt nach einer Klei­nig­keit. Tat­säch­lich kann eine ange­mes­sene Zei­len­länge die Les­bar­keit deut­lich verbessern.

Wer jemals ver­sucht hat, einen Roman in einer ein­zi­gen extrem brei­ten Text­spalte zu lesen, kennt das Pro­blem. Die Augen werden schnell müde und der Geist gleich mit.

Zei­len­ab­stand ist kein Luxus

Viele Texte wirken gedrängt, weil Zeilen zu dicht bei­ein­an­der stehen.

Unser Gehirn benö­tigt jedoch etwas Luft zwi­schen den Zeilen, um Infor­ma­tio­nen schnel­ler erfas­sen zu können.

Ein Zei­len­ab­stand von etwa 1,5 hat sich in vielen Anwen­dungs­fäl­len bewährt.

Das sorgt nicht nur für eine bes­sere Les­bar­keit, son­dern oft auch für eine ruhi­gere und hoch­wer­ti­gere Anmutung.

Mit ande­ren Worten: Mehr Platz ver­bes­sert häufig sowohl die Ästhe­tik als auch die Zugänglichkeit.

Nicht jede schöne Schrift ist eine gute Schrift

Manche Schrif­ten sind her­vor­ra­gend für Logos geeignet.

Das bedeu­tet nicht auto­ma­tisch, dass sie sich für län­gere Texte eignen.

Deko­ra­tive Schrif­ten, hand­schrift­li­che Fonts oder stark sti­li­sierte Typo­gra­fien können bereits nach weni­gen Zeilen anstren­gend werden.

Für Fließ­texte haben sich gut les­bare Sans-Serif-Schriften wie Fira Sans, Source Sans, Inter oder Atkin­son Hyper­le­gi­ble (für Legastheniker:innen) bewährt. Beson­ders die Atkin­son Hyper­le­gi­ble wurde spe­zi­ell ent­wi­ckelt, um Zei­chen besser von­ein­an­der unter­scheid­bar zu machen. Sie ist aller­dings sehr dunkel im Schrift­bild und für Viel­le­sende ungewohnt.

Der I‑l-1-Test” kann sehr hilf­reich sein, denn für viele Men­schen sehen I“, l“ und 1“ eben nicht so unter­schied­lich aus, wie Desi­gnende manch­mal glau­ben. Diese Zei­chen soll­ten gut von­ein­an­der unter­schie­den werden können. 

Warum Kon­trast mehr ist als Schwarz auf Weiß

Wenn von Barriere­freiheit gespro­chen wird, fällt fast sofort das Thema Kontrast.

Zu Recht.

Aller­dings bedeu­tet guter Kon­trast nicht zwangs­läu­fig schwarze Schrift auf weißem Hintergrund.

Ent­schei­dend ist, dass sich Vorder- und Hin­ter­grund aus­rei­chend von­ein­an­der unterscheiden.

Die WCAG defi­niert hier­für klare Min­dest­werte. Diese können gemes­sen werden. Zum Bei­spiel hier: Farb­che­cker.

Viele moderne Designs arbei­ten jedoch bewusst mit sehr hellen Grau­tö­nen, um leich­ter oder edler“zu wirken. Das all­seits beliebte Cyan als Haus­farbe findet sich auch sehr oft in Überschrieften.

Das Pro­blem: Was ele­gant aus­sieht, ver­schwin­det für manche Nutzer bei­nahe vollständig.

Barriere­freiheit gewinnt momen­tan selten Design­preise. Sie sorgt aber dafür, dass Inhalte tat­säch­lich gele­sen werden. 

Typo­gra­fie ist auch Inklusion

Wenn wir über digi­tale Barriere­freiheit spre­chen, denken viele zuerst an Screen­rea­der oder Tastaturnavigation.

Das sind wich­tige Themen.

Min­des­tens genauso wich­tig ist jedoch die Frage, ob Men­schen Inhalte über­haupt kom­for­ta­bel lesen können.

Gute Typo­gra­fie hilft:

  • Men­schen mit Sehbeeinträchtigungen
  • Men­schen mit Legasthenie
  • älteren Nut­zern
  • Men­schen mit Konzentrationsschwierigkeiten
  • Men­schen, die Inhalte auf mobi­len Gerä­ten lesen

Und letzt­lich allen ande­ren auch.

Das ist das Inter­es­sante an Barriere­freiheit: Maß­nah­men, die eini­gen Men­schen helfen, ver­bes­sern oft die Nut­zung für alle.

Prak­ti­sche Tools für den Typografie-Check

Wer die Les­bar­keit seiner Web­site über­prü­fen möchte, kann mit fol­gen­den Werk­zeu­gen beginnen:

WAVE

Prüft Kon­traste und grund­le­gende Accessibility-Probleme direkt auf Webseiten.

Light­house

In Chrome inte­griert und ideal für erste Analysen.

Acces­si­bi­lity Insights

Hilft bei manu­el­len und auto­ma­ti­sier­ten Accessibility-Tests.

Stark

Belieb­tes Tool für Desi­gner zur Prü­fung von Farb­kon­tras­ten und Lesbarkeit.

Fazit

Typo­gra­fie wird häufig als gestal­te­ri­sches Detail betrach­tet. Tat­säch­lich gehört sie zu den wich­tigs­ten Werk­zeu­gen digi­ta­ler Barrierefreiheit.

Denn Inhalte sind nur dann zugäng­lich, wenn sie gele­sen, ver­stan­den und ver­ar­bei­tet werden können.

Eine gute Schrift macht eine Web­site nicht auto­ma­tisch barrierefrei.

Eine schlechte Schrift kann sie jedoch erstaun­lich schnell unzu­gäng­lich machen.

Oder anders gesagt:

Nie­mand ver­lässt eine Web­site, weil die Zei­len­höhe zu groß­zü­gig war. Men­schen ver­las­sen Web­sites, weil Lesen anstren­gend wird.

Digi­tale Barriere­freiheit mit amselrehhase

Bei amsel­reh­hase beschäf­ti­gen wir uns mit:

  • bar­rie­re­freiem Webdesign
  • WCAG-konformer Gestal­tung
  • Accessibility-Checks
  • bar­rie­re­freien PDFs
  • Typo­gra­fie & Lesbarkeit
  • Schu­lun­gen rund um digi­tale Barrierefreiheit

Denn gutes Design sollte nicht nur schön aussehen.

Es sollte funktionieren.

Wir ent­wi­ckeln und prüfen bar­rie­re­freie Pro­jekte. Buchen Sie uns für bar­rie­re­freie Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel! Schrei­ben Sie uns eine E‑Mail!

amsel­reh­hase | 22.06.2026

Ver­ein­fachte Zusammenfassung

Gute Typo­gra­fie hilft allen Men­schen, Texte leich­ter zu lesen. Dazu gehö­ren eine aus­rei­chend große Schrift, gute Kon­traste, pas­sende Zei­len­ab­stände und gut les­bare Schrift­ar­ten. Schlechte Typo­gra­fie kann Men­schen mit Seh­schwä­chen, Leg­asthe­nie oder Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­men das Lesen erschwe­ren. Des­halb ist Typo­gra­fie ein wich­ti­ger Teil der digi­ta­len Barrierefreiheit.

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