Die besten Plakate aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Berlin waren die hundert besten Plakate und Plakatserien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen, zum 25. Mal. Über 2.200 Arbeiten wurden eingereicht, hundert ausgewählt. Das Ergebnis ist keine Ausstellung über Werbung. Es ist eine Ausstellung über Ideen.
Und gute Ideen altern erstaunlich langsam.
Ein Plakat kann mehr als informieren
Wer glaubt, ein Plakat müsse hauptsächlich lesbar sein, war vermutlich noch nie auf einer Plakatausstellung.
Hier geht es nicht darum, möglichst schnell zu vermitteln, dass der Flohmarkt am Samstag um zehn beginnt. Hier geht es um Haltung. Um Typografie. Um Komposition. Um den einen Gedanken, der aus einer Wand voller Plakate genau dieses eine heraushebt.
Einige Arbeiten sind laut.
Andere flüstern.
Und manche schauen einen einfach nur an, bis man irgendwann zurückschaut.
Plötzlich bewegt sich Papier
Mit einer App ließen sich einzelne Motive in Bewegung versetzen. Elemente begannen zu tanzen, Bilder bauten sich auf und verschwanden, obwohl das Papier völlig still an der Wand hing.
Das wirkte teilweise unnötig und Extra. Es fühlte sich vielmehr so an, als würde das Plakat heute genau dort weitermachen, wo seine Erfinder vor hundert Jahren hätten weitermachen wollen – wenn sie die technischen Möglichkeiten gehabt hätten.
Print lebt. Man muss ihm nur gelegentlich ein Smartphone hinhalten.
Zwei Plakate, die ich am liebsten mitgenommen hätte
Mein erster Favorit ist das Plakat für das Haus Schwarzenberg von Henning Wagenbreth (Siebdruck: Lézard Graphique). Das farbintensive Plakat besitzt genau diese Berliner Mischung aus Eigensinn, Charme und einem leichten Desinteresse daran, jedem gefallen zu wollen. Das liebenswerte Geschöpf und die vielen kleinen und großen Entdeckungen auf dem Papier haben mein Herz sofort erobert.
Mein zweiter Favorit ist das Plakat TURANDOT für das von Claudiabasel Theater Basel. Manche Plakate erzählen eine Geschichte. Diese erzählen gleich mehrere. Und das mit einer gestalterischen Ruhe, die beeindruckender ist als jede visuelle Effekthascherei. Mich haben das hypnotische Gold, die opulenten Strukturen und der verschwenderische Umgang mit Raum in den Bann gezogen. So schöne Serifenlettern so groß genießen zu dürfen, war mir eine Freude. Ebenso das Spiel der Schriftgrößen. Zu der hauptsächlich serifenlosen und gleichförmigeren digitalen Welt war das eine erholsame Abwechslung für mich.
Es gab viele schöne Plakate und Interessante Serien zu bewundern, aber diese beiden stachen für mich heraus.
Es sind Arbeiten wie diese, die mich daran erinnern, dass Grafikdesign eben nicht nur hübsch aussehen muss. Es darf überraschen. Irritieren. Neugierig machen.

Ein Wort zu Accessibility
Natürlich.
Während andere Besucher Farben und Typografie betrachten, denke ich irgendwann automatisch: „Das Kontrastverhältnis dürfte für einige Betrachter schwierig werden.”
Tatsächlich gab es einige Plakate, deren Texte nach den WCAG kein grünes Licht erhalten würden. Geringe Kontraste, feine Schriften, bewusst reduzierte Lesbarkeit.
Das fand ich eigentlich schade. Mit Lesbarkeit spielen und Neugierde wecken – kein Problem. Das kitzelt uns und macht Spaß. Kontraste für Farben, Formen und Raum zuzuspitzen und unbequem zu präsentieren ist oft mehr als angemessen. Aber mir kam es so vor, als ob zu viele Gestalter*innen sich wenig Gedanken um Barrierefreiheit machen. Das vergibt Chancen und wirkt auf mich lieblos. Das geht besser!
Warum ich solche Ausstellungen liebe
Ich verlasse diese Ausstellung mit dem Wunsch, mehr Wände für schöne Plakate zu haben.
Und mit dem Wunsch, wieder mutiger zu gestalten.
Mehr auszuprobieren.
Weniger nach Konventionen zu suchen.
Und vielleicht auch wieder häufiger eine Idee zu verfolgen, nur weil sie gut ist – nicht weil sie bereits im Styleguide steht.
Wenn Gestaltung Kunst wird, darf sie Fragen stellen. Und wenn man Glück hat, nimmt man ein paar davon mit nach Hause.
Auf die nächste Ausstellung freue ich mich schon.
Den Ausstellungskatalog gibt es im hesing-shop.
Digitale Barrierefreiheit mit amselrehhase
Bei amselrehhase beschäftigen wir uns mit:
- barrierefreiem Webdesign
- WCAG-konformer Gestaltung
- Accessibility-Checks
- barrierefreien PDFs
- Typografie & Lesbarkeit
- Schulungen rund um digitale Barrierefreiheit
Denn gutes Design sollte nicht nur schön aussehen.
Es sollte funktionieren.
amselrehhase | 05.07.2026
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Vereinfachte Zusammenfassung
Ich habe die Ausstellung „100 beste Plakate D·A·CH“ in Berlin besucht. Dort werden die besten Plakate aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt. Besonders gefallen haben mir die Plakate für das Haus Schwarzenberg und die Serie TURANDOT für das Theater Basel. Einige Plakate konnten mit einer App sogar animiert werden. Die Ausstellung zeigt, wie kreativ und vielfältig gutes Grafikdesign sein kann.



