Barrieren sind selten spektakulär. Ihre Folgen schon.
Die meisten WordPress-Websites scheitern nicht an komplizierter Technik.
Sie scheitern an Dingen, die seit Jahren auf fast jeder Website eingebaut werden. Dinge, die gut aussehen, modern wirken oder von irgendeinem Plugin automatisch mitgebracht werden.
Slider.
Cookie-Banner.
Formulare.
Navigationen.
PDFs.
Die schlechte Nachricht: Genau diese Elemente gehören zu den häufigsten Accessibility-Problemen.
Die gute Nachricht: Die meisten lassen sich mit überschaubarem Aufwand beheben.
Schauen wir uns die üblichen Verdächtigen an.
1. Slider – die unsterbliche Fehlentscheidung des Webdesigns
Kaum ein Element hält sich so hartnäckig wie der Slider.
Dabei zeigen Studien seit Jahren, dass die meisten Besucher nur den ersten Slide wahrnehmen. Die übrigen rotieren oft unbeachtet durch das digitale Nirwana. Gut, es bewegt sich etwas und fordert Aufmerksamkeit.
Für die Barrierefreiheit bringen Slider aber zusätzliche Probleme mit:
- Automatische Bewegungen lenken ab.
- Screenreader-Nutzer verlieren die Orientierung.
- Tastaturbedienung funktioniert häufig nicht.
- Texte wechseln, bevor sie gelesen werden können.
- Kontraste sind oft schlecht.
Man könnte sagen: Ein Slider vereint mehrere Accessibility-Probleme in einem einzigen Element. Das ist effizient, aber leider nicht hilfreich.
Bessere Lösung
Statt eines Sliders:
- Eine klare Hero-Sektion verwenden
- Eine zentrale Botschaft kommunizieren
- Wichtige Inhalte untereinander darstellen
- Bewegungen vermeiden oder pausierbar machen
Weniger Bewegung bedeutet oft mehr Aufmerksamkeit.
2. Cookie-Banner als erste Hürde vor dem eigentlichen Inhalt
Viele Besucher treffen bereits auf das erste Accessibility-Problem, bevor sie überhaupt die Website sehen.
Cookie-Banner werden häufig mit rechtlicher Sorgfalt umgesetzt. Die Nutzerfreundlichkeit wird dabei gelegentlich vergessen.
Typische Probleme:
- Fokus springt unkontrolliert
- Tastaturbedienung funktioniert nicht
- Buttons sind schlecht beschriftet
- Kontraste sind unzureichend
- Der Dialog lässt sich nicht schließen
Besonders problematisch wird es, wenn der Banner den gesamten Bildschirm blockiert und Nutzer nicht mehr weiterkommen.
Bessere Lösung
Achten Sie darauf, dass:
- alle Funktionen per Tastatur erreichbar sind
- der Fokus korrekt gesetzt wird
- Buttons eindeutig benannt sind
- ausreichend Kontrast vorhanden ist
- Screenreader den Dialog korrekt erkennen
Wer ein Cookie-Banner testet, sollte die Maus einmal bewusst liegen lassen.
3. Formulare – die größte Conversion-Bremse
Kaum etwas verbindet Accessibility und Conversion so direkt wie Formulare.
Wenn Nutzer ein Formular nicht ausfüllen können, entsteht kein Lead, keine Anfrage und keine Anmeldung.
Trotzdem finden sich regelmäßig:
- fehlende Labels
- Platzhaltertexte statt Beschriftungen
- unverständliche Fehlermeldungen
- zu kleine Klickflächen
- Pflichtfelder ohne Kennzeichnung
Besonders beliebt sind Fehlermeldungen wie:
„Fehler in Feld 3.“
Vielen Dank für diese Information. Feld 3 von was genau?
Bessere Lösung
Jedes Formular sollte:
- sichtbare Labels besitzen
- verständliche Fehlermeldungen liefern
- logisch aufgebaut sein
- ausreichend große Eingabefelder haben
- vollständig per Tastatur bedienbar sein
Ein gutes Formular erklärt dem Nutzer, was zu tun ist.
Ein schlechtes Formular verhält sich wie ein Beamter kurz vor Feierabend.
4. Menüs – wenn Navigation zum Suchspiel wird
Navigationen sollen Orientierung bieten.
Manche Menüs erreichen jedoch genau das Gegenteil.
Typische Fehler:
- Hamburger-Menüs ohne Beschriftung
- verschachtelte Mega-Menüs
- fehlende Fokus-Anzeigen
- Hover-Effekte ohne Tastaturalternative
- unklare Linktexte
Viele dieser Probleme entstehen nicht absichtlich.
Sie entstehen, weil eine Navigation oft visuell getestet wird, aber selten mit Tastatur oder Screenreader.
Bessere Lösung
Prüfen Sie:
- Ist jeder Menüpunkt per Tab-Taste erreichbar?
- Ist sichtbar, wo sich der Fokus befindet?
- Sind Linktexte verständlich?
- Funktioniert die Navigation ohne Maus?
Wenn die Antwort auf eine dieser Fragen „nein“ lautet, sollten Sie nacharbeiten.
5. PDFs – die unterschätzte Kostenfalle
Viele Unternehmen investieren Zeit und Geld in eine barrierefreie Website.
Anschließend stellen sie dieselben Informationen als PDF bereit.
Und genau dort beginnen die Probleme.
Häufige Fehler:
- keine Tags
- fehlende Lesereihenfolge
- keine Alternativtexte
- Tabellen ohne Struktur
- Formulare ohne Barrierefreiheit
Der Nutzer verlässt die Website und landet plötzlich in einer völlig anderen Welt.
Eine Welt, in der Accessibility häufig nur ein Gerücht ist.
Bessere Lösung
Prüfen Sie PDFs mit:
- PAC, dem kostenlosen PDF-Checker
Und vor allem:
Erstellen Sie Barrierefreiheit bereits in Word, LibreOffice oder InDesign und nicht erst nach dem PDF-Export.
Warum diese Fehler teuer werden können
Accessibility-Probleme verursachen nicht nur Risiken im Zusammenhang mit dem BFSG.
Sie kosten bereits vorher Geld.
Zum Beispiel durch:
- verlorene Anfragen
- abgebrochene Bestellungen
- schlechtere Nutzererfahrung
- höhere Support-Aufwände
- geringere Reichweite
Anders formuliert:
Barrierefreiheit ist selten der Kostenfaktor.
Fehlende Barrierefreiheit ist es.
Die gute Nachricht
Die meisten WordPress-Websites benötigen keinen kompletten Relaunch.
Oft reichen gezielte Verbesserungen an den Stellen, die tatsächlich Probleme verursachen.
Wer Slider hinterfragt, Formulare optimiert, Cookie-Banner testet, Menüs vereinfacht und PDFs ernst nimmt, hat bereits einen großen Teil der typischen Accessibility-Hürden beseitigt.
Fazit
Die teuersten Accessibility-Fehler in WordPress sind selten kompliziert.
Sie sind lediglich weit verbreitet.
Slider, Cookie-Banner, Formulare, Menüs und PDFs gehören seit Jahren zu den größten Problemfeldern. Gleichzeitig bieten sie das größte Verbesserungspotenzial.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht:
„Ist unsere Website technisch barrierefrei?“
Sondern:
„Können Menschen unsere Inhalte problemlos nutzen?“
Denn genau darum geht es bei digitaler Barrierefreiheit.
Und letztlich bei gutem Webdesign überhaupt.
Digitale Barrierefreiheit mit amselrehhase
Bei amselrehhase beschäftigen wir uns mit:
- barrierefreiem Webdesign
- WCAG-konformer Gestaltung
- Accessibility-Checks
- barrierefreien PDFs
- Typografie & Lesbarkeit
- Schulungen rund um digitale Barrierefreiheit
Denn gutes Design sollte nicht nur schön aussehen.
Es sollte funktionieren.
Wir entwickeln und prüfen barrierefreie Projekte. Buchen Sie uns für barrierefreie Kommunikationsmittel! Schreiben Sie uns eine E‑Mail!
amselrehhase | 25.06.2026
Vereinfachte Zusammenfassung
Viele Barrieren auf WordPress-Websites entstehen durch Slider, Cookie-Banner, Formulare, Menüs oder PDFs. Diese Elemente können die Nutzung für Menschen mit Behinderungen erschweren. Wer sie barrierefrei gestaltet, verbessert die Nutzerfreundlichkeit für alle Besucher und vermeidet Probleme mit dem BFSG.



