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Was würde Dieter Rams zur digi­ta­len Barriere­freiheit sagen?

Text: "Was würde Dieter Rams wohl zu digitaler Barrierefreiheit sagen?" mit Symbol für Barrierefreiheit und Lautsprecherdesign von Dieter Rams
Was haben Dieter Rams’ Designprinzipien mit digitaler Barrierefreiheit zu tun? Eine persönliche Annäherung.
4 Min. Lesezeit

Dieter Rams hat nie eine Web­site gestaltet.

Er hat nie über WCAG gesprochen.

Er hat keine Alter­na­tiv­texte geschrie­ben und ver­mut­lich auch nie dar­über nach­ge­dacht, ob ein Cookie-Banner per Tas­ta­tur bedien­bar ist.

Und trotz­dem glaube ich, dass er zur digi­ta­len Barriere­freiheit eine ziem­lich klare Hal­tung hätte.

Gutes Design ist…

Fast jeder Desi­gner kennt sie. Die zehn Thesen für gutes Design. Beispielsweise: 

  • Gutes Design ist innovativ.
  • Gutes Design ist verständlich.
  • Gutes Design ist unaufdringlich.
  • Gutes Design ist langlebig.

Und natür­lich der Satz, der bis heute auf unzäh­li­gen Mood­boards steht:

Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.“

Inter­es­sant ist, dass Dieter Rams nie von Barriere­freiheit sprach.

Er musste es auch nicht.

Denn vieles von dem, was wir heute unter digi­ta­ler Barriere­freiheit ver­ste­hen, steckt bereits in seinen Prin­zi­pien. Das ver­glei­che ich kon­kret am Ende des Artikels.

Die 10 Thesen zum Nach­le­sen bei der rams foun­da­tion.

Ver­ständ­lich statt beeindruckend

Die digi­tale Welt liebt Effekte.

Ani­ma­tio­nen.

Parallax-Scrolling.

Videos im Hintergrund.

Scroll-Effekte, bei denen man sich fragt, ob die Web­site gerade lädt oder bereits fertig ist.

Dieter Rams hätte ver­mut­lich freund­lich genickt.

Und dann gefragt:

Hilft das dem Menschen?”

Diese Frage ist erstaun­lich aktu­ell und passt per­fekt zum Ansatz der digi­ta­len Barrierefreiheit.

Weni­ger ist oft mehr

Viele Accessibility-Probleme ent­ste­hen nicht, weil Desi­gne­rin­nen und Desi­gner zu wenig gestalten.

Son­dern weil sie zu viel gestalten.

Noch eine Animation.

Noch ein Schatten.

Noch ein Verlauf.

Noch ein Button.

Noch ein Icon.

Noch ein Cookie-Banner über dem Cookie-Banner.

Nicht alles, was mög­lich ist, ver­bes­sert die Benut­zer­er­fah­rung. Im Gegen­teil. Oft macht es sie komplizierter.

Rams hätte das ver­mut­lich mit einem Satz beantwortet:

Weni­ger Gestal­tung. Mehr Orientierung.

Ehr­lich­keit

Eine meiner liebs­ten Thesen von Dieter Rams lautet:

Gutes Design ist ehrlich.“

Ich muss dabei oft an Web­sites denken, auf denen But­tons aus­se­hen wie Überschriften.

Oder Über­schrif­ten wie Buttons.

Oder Links gar nicht mehr wie Links.

Man muss sie ankli­cken, um her­aus­zu­fin­den, ob sie anklick­bar sind.

Das mag über­ra­schend sein. Ehr­lich ist es nicht.

Digi­tale Barriere­freiheit lebt von Klar­heit. Nicht von Rätseln.

Gute Gestal­tung ist inklusiv

Dieter Rams hat diesen Satz nie gesagt.

Aber ich bin über­zeugt, dass er ihn unter­schrie­ben würde.

Wenn Gestal­tung Men­schen aus­schließt, erfüllt sie ihren Zweck nur teilweise.

Natür­lich darf Kunst pro­vo­zie­ren. Natür­lich darf ein Kon­zert­pla­kat schwer lesbar sein. Natür­lich darf ein Maga­zin mit Typo­gra­fie experimentieren.

Aber eine Web­site? Ein Online-Shop? Ein Buchungs­sys­tem? Eine Behördenseite?

Sie alle haben einen ande­ren Auftrag.

Sie sollen funktionieren.

Für mög­lichst viele Menschen.

Schön­heit ent­steht nicht trotz Barrierefreiheit

Immer wieder höre ich:

Barriere­freiheit schränkt Gestal­tung ein.”

Ich glaube das Gegenteil.

Sie zwingt uns dazu, bes­sere Ent­schei­dun­gen zu treffen.

Warum genau diese Farbe? Warum genau diese Schrift? Warum dieser Abstand? Warum dieser Button?

Wer jede dieser Ent­schei­dun­gen begrün­den kann, gestal­tet bewuss­ter. Und meis­tens auch besser.

Wahr­schein­lich hat Rams nie über WCAG gesprochen

Er hat ver­mut­lich auch keinen Accessibility-Report erstellt.

Aber ich glaube, er inter­es­siert sich für etwas, das heute manch­mal zwi­schen Normen, Geset­zen und Prüf­t­ools ver­lo­ren geht.

Den Men­schen.

Nicht den Brow­ser. Nicht das Frame­work. Nicht den Lighthouse-Score.

Den Men­schen.

Und viel­leicht liegt genau darin die größte Gemein­sam­keit zwi­schen Dieter Rams und digi­ta­ler Barrierefreiheit.

Beide stel­len die­selbe Frage.

Ist diese Gestal­tung wirk­lich für den Men­schen gemacht?

Wenn wir diese Frage ehr­lich beant­wor­ten, erle­di­gen sich viele Accessibility-Probleme ganz von selbst.

Nicht alle.

Aber erstaun­lich viele.

Ein kon­kre­ter Vergleich

Zu 5 Thesen von Dieter Rams fallen mir sofort Anfor­de­run­gen an digi­tale Barriere­freiheit ein. 

These 4: Gutes Design macht ein Pro­dukt verständlich.”

Digi­tale Barriere­freiheit: Inhalte müssen ver­ständ­lich und wahr­nehm­bar sein.

These 5: Gutes Design ist unaufdringlich.”

Digi­tale Barriere­freiheit: Keine über­flüs­si­gen Ani­ma­tio­nen oder Ablenkungen.

These 6: Gutes Design ist ehrlich.”

Digi­tale Barriere­freiheit: Bedien­ele­mente sollen sich erwar­tungs­ge­mäß verhalten.

These 8: Gutes Design ist kon­se­quent bis ins letzte Detail.”

Digi­tale Barriere­freiheit: Acces­si­bi­lity ist kein nach­träg­li­ches Add-on.

These 10: Gutes Design st so wenig Design wie möglich.”

Digi­tale Barriere­freiheit: Klare Infor­ma­ti­ons­ar­chi­tek­tur und redu­zierte Interfaces.

Falls Dieter Rams kein Begriff ist:

Dieter Rams (heute 94 Jahre) ist einer der Men­schen, die unser Ver­ständ­nis von gutem Design nach­hal­tig ver­än­dert haben. Als Chef­de­si­gner von Braun ent­wi­ckelte er Pro­dukte, die nicht laut, son­dern logisch waren. Seine berühm­ten zehn Thesen für gutes Design sind über fünf­zig Jahre alt und wirken trotz­dem aktu­ell. Gerade dann, wenn es um digi­tale Barriere­freiheit geht. 

Sein Buch Less but better” aus dem Jahr 1995 ist ein Klas­si­ker für alle Designer. 

Digi­tale Barriere­freiheit mit amselrehhase

Bei amsel­reh­hase beschäf­ti­gen wir uns mit:

  • bar­rie­re­freiem Webdesign
  • WCAG-konformer Gestal­tung
  • Accessibility-Checks
  • bar­rie­re­freien PDFs
  • Typo­gra­fie & Lesbarkeit
  • Schu­lun­gen rund um digi­tale Barrierefreiheit

Denn gutes Design sollte nicht nur schön aussehen.

Es sollte funktionieren.

amsel­reh­hase | 10.08.2026

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