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Barriere­freiheit ist kein Rand­thema. Warum sie end­lich in die Aus­bil­dung von Mediengestalter*innen gehört.

Text: "digitale Barrierefreiheit im der Ausbildung zu Mediengestalter*innen" mit Symbol zur Barrierefreiheit und Graduiertenhut auf gelbem Hintergrund
Als IHK-Prüfer erlebe ich: Digitale Barrierefreiheit wird in Abschlussarbeiten oft nur behauptet, selten verstanden oder begründet.
4 Min. Lesezeit

Seit eini­gen Jahren bin ich als beru­fene Prü­fe­rin der IHK Berlin für die Abschluss­prü­fun­gen der Mediengestalter*innen tätig.

Jedes Mal freue ich mich darauf, zu sehen, wie die nächste Gene­ra­tion Gestal­tung ver­steht. Welche Ideen sie ent­wi­ckelt. Welche Kon­zepte sie ver­folgt. Welche Ant­wor­ten sie auf die Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit findet.

Und jedes Mal stelle ich mir die­selbe Frage.

Wo ist eigent­lich die digi­tale Barriere­freiheit geblieben?

Zwi­schen Anspruch und Wirklichkeit

Barriere­freiheit ist längst kein Nischen­thema mehr.

Mit dem Barriere­freiheits­stärkungs­gesetz, den WCAG, dem Euro­pean Acces­si­bi­lity Act und einer immer stär­ke­ren gesell­schaft­li­chen Sen­si­bi­li­sie­rung gehört sie heute selbst­ver­ständ­lich zum Berufs­all­tag vieler Gestal­te­rin­nen und Gestalter.

Zumin­dest sollte sie das.

In den Abschluss­ar­bei­ten sehe ich jedoch häufig ein ande­res Bild.

Barriere­freiheit wird gar nicht erwähnt.

Oder sie wird auf zwei Sätze reduziert.

Oder (und das finde ich fast noch pro­ble­ma­ti­scher) sie wird schlicht behauptet.

Die gewähl­ten Farben sind barrierefrei.“

Sind sie das?

Leider oft in der Anwen­dung nicht.

Die Schrift ist gut lesbar.“

Warum?

Darauf bleibt die Ant­wort meis­tens aus.

Gestal­tung ist keine Glaubensfrage

Mich irri­tiert dabei weni­ger, dass Fehler pas­sie­ren. Fehler gehö­ren zum Lernen.

Mich irri­tiert viel­mehr, dass viele ange­hende Mediengestalter*innen ihre Ent­schei­dun­gen über­haupt nicht begründen.

Warum gerade diese Schrift?

Warum dieser Zeilenabstand?

Warum dieser Kontrast?

Warum diese Schriftgröße?

Wer Gestal­tung pro­fes­sio­nell betreibt, sollte auf solche Fragen Ant­wor­ten haben.

Nicht, weil jede Ent­schei­dung objek­tiv rich­tig sein muss.

Son­dern weil sie bewusst getrof­fen wurde.

Barriere­freiheit beginnt nicht beim Prüfbericht

Digi­tale Barriere­freiheit bedeu­tet nicht, irgendwo am Ende einer Doku­men­ta­tion noch schnell zu erwäh­nen, dass man auf Kon­traste geach­tet habe.

Sie beginnt viel früher.

Sie beginnt bei der ersten Skizze.

Bei der Wahl einer Schrift.

Bei der Farbpalette.

Bei der Frage, welche Infor­ma­tio­nen wirk­lich wich­tig sind.

Barriere­freiheit ist kein zusätz­li­cher Arbeitsschritt.

Sie ist gutes Design.

Die gute Nachricht

In dieser Woche durfte ich drei Tage an einem Aus­bil­dungs­in­sti­tut genau zu diesem Thema unterrichten.

Und das hat mich ehr­lich gefreut.

Nicht, weil ich glaube, dass nach drei Tagen alle Exper­tin­nen und Exper­ten für digi­tale Barriere­freiheit sind.

Son­dern weil das Thema über­haupt Raum bekom­men hat.

Wir haben gemein­sam Kon­traste gemes­sen, Alter­na­tiv­texte dis­ku­tiert, Typo­gra­fie hin­ter­fragt und dar­über gespro­chen, warum Gestal­tung immer auch Ver­ant­wor­tung bedeutet.

Vor allem aber haben wir gelernt, Ent­schei­dun­gen zu begründen.

Denn genau das unter­schei­det pro­fes­sio­nelle Gestal­tung von Geschmack.

Es geht nicht (nur) um Vorschriften

Wenn ich über digi­tale Barriere­freiheit spre­che, höre ich manch­mal den Einwand:

Dann darf man ja gar nichts mehr gestalten.”

Doch.

Man darf sogar sehr viel gestalten.

Man muss nur wissen, wann man bewusst Regeln bricht und wann man sie ein­fach nicht kennt.

Zwi­schen diesen beiden Dingen liegt ein großer Unterschied.

Mein Wunsch

Ich wün­sche mir, dass digi­tale Barriere­freiheit in der Aus­bil­dung nicht länger als Spe­zi­al­thema behan­delt wird.

Sie gehört genauso selbst­ver­ständ­lich dazu wie Typo­gra­fie, Farb­theo­rie oder Gestaltungsraster.

Nicht, weil es ein Gesetz verlangt.

Son­dern weil Gestal­tung Kom­mu­ni­ka­tion ist.

Und Kom­mu­ni­ka­tion sollte mög­lichst viele Men­schen erreichen.

Viel­leicht werden zukünf­tige Abschluss­ar­bei­ten dann nicht mehr schreiben:

Die Farben sind barrierefrei.”

Son­dern:

Die Kon­traste erfül­len WCAG AA. Die Schrift­größe beträgt min­des­tens 16 Pixel, der Zei­len­ab­stand 1,6 und die Schrift wurde auf­grund ihrer guten Les­bar­keit gewählt.”

Das wäre ein klei­ner Satz.

Aber ein großer Schritt für unse­ren Berufsstand.

Digi­tale Barriere­freiheit mit amselrehhase

Bei amsel­reh­hase beschäf­ti­gen wir uns mit:

  • bar­rie­re­freiem Webdesign
  • WCAG-konformer Gestal­tung
  • Accessibility-Checks
  • bar­rie­re­freien PDFs
  • Typo­gra­fie & Lesbarkeit
  • Schu­lun­gen rund um digi­tale Barrierefreiheit

Denn gutes Design sollte nicht nur schön aussehen.

Es sollte funktionieren.

amsel­reh­hase | 16.07.2026

Wir ent­wi­ckeln und prüfen bar­rie­re­freie Pro­jekte. Buchen Sie uns für bar­rie­re­freie Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel! Schrei­ben Sie uns eine E‑Mail!

Ver­ein­fachte Zusammenfassung

Ich bin IHK-Prüfer für Medi­en­ge­stal­te­rin­nen und Medien­gestalter. In vielen Abschluss­ar­bei­ten spielt digi­tale Barriere­freiheit kaum eine Rolle. Oft schrei­ben die Aus­zu­bil­den­den, dass Farben oder Schrif­ten gut lesbar sind. Sie erklä­ren aber nicht, warum. Des­halb freue ich mich beson­ders, dass ich drei Tage lang an einem Aus­bil­dungs­in­sti­tut über digi­tale Barriere­freiheit unter­rich­ten durfte. Ich wün­sche mir, dass dieses Thema fester Bestand­teil jeder Aus­bil­dung wird.

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