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Können KI-Systeme wirk­lich Alter­na­tiv­texte schrei­ben? Ein Praxistest.

Stilisiertes Gemälde "Distelfink" mit dem Text "Alternativtexte mit KI" auf gelbem Hintergrund
ChatGPT, Claude, Gemini und WordPress AI im Praxistest: Welche KI schreibt die besten Alternativtexte und warum der Mensch unverzichtbar bleibt.
15 Min. Lesezeit

5 KIs. Ein Bild. Und erstaun­lich unter­schied­li­che Antworten.

Kaum ein Thema wird der­zeit so enthu­si­as­tisch dis­ku­tiert wie Künst­li­che Intelligenz.

Sie schreibt E‑Mails, pro­gram­miert Web­sei­ten, erstellt Bilder und beant­wor­tet Fragen, die früher eine Such­ma­schine beant­wor­ten musste.

Natür­lich liegt da eine Frage nahe:

Kann KI auch Alter­na­tiv­texte schreiben?

Die kurze Ant­wort lautet:

Ja.

Die etwas län­gere Ant­wort lautet:

Ja, aber nicht immer gut.

Und manch­mal erstaun­lich schlecht.

Also habe ich 5 bekannte KI-Systeme die­selbe Auf­gabe erle­di­gen lassen.

Ein Bild. 5 Alternativtexte.

Ein erstaun­li­ches Ergebnis.

Zunächst die wich­tigste Frage: Was ist über­haupt ein guter Alternativtext?

Viele Men­schen glau­ben, ein Alter­na­tiv­text müsse ein­fach beschrei­ben, was auf einem Bild zu sehen ist.

Das stimmt unge­fähr so weit, wie die Aus­sage stimmt, ein Roman bestehe aus Buchstaben.

Ein guter Alter­na­tiv­text beschreibt nicht ein­fach das Bild.

Er beschreibt die Infor­ma­tion, die das Bild vermittelt.

Das ist ein erheb­li­cher Unterschied.

Ein Fir­men­logo benö­tigt einen ande­ren Alter­na­tiv­text als ein Diagramm.

Ein Pro­dukt­foto einen ande­ren als ein deko­ra­ti­ves Hintergrundbild.

Ein Screen­shot einen ande­ren als ein Portrait.

Und genau hier beginnt die Schwie­rig­keit für jede KI.

Der Pra­xis­test

Als Test­bild habe ich bewusst kein moder­nes Stock­foto gewählt, son­dern ein bekann­tes Gemälde: Der Dis­tel­fink“ (Het Put­tertje) von Carel Fabri­tius aus dem Jahr 1654.

Warum dieses Bild?

Weil es auf den ersten Blick ein­fach wirkt. Ein klei­ner Vogel sitzt auf einem Holz­kas­ten und ist mit einer feinen Kette befes­tigt. Doch je nach Kon­text erzählt das Bild eine völlig andere Geschichte. Geht es um Kunst­ge­schichte? Um den Maler? Um den Vogel? Oder dient das Bild ledig­lich als deko­ra­ti­ves Element?

Genau das macht es zu einem idea­len Test für Künst­li­che Intelligenz.

Ölgemälde „Der Distelfink“ von Carel Fabritius, 1654, dient im Artikel als Beispiel für gute Alternativtexte

5 KI-Systeme. Ein Bild.

Ich habe also 5 Sys­teme mit einem ein­zi­gen Bild kon­fron­tiert: Carel Fabri­tius, Der Dis­tel­fink, 1654. Öl auf Holz. Mau­rit­shuis, Den Haag. Drei­zehn mal neun Zen­ti­me­ter im Ori­gi­nal, eines der berühm­tes­ten Gemälde der Welt, und zugleich ein Bild, das jede KI auf eine harte Probe stellt, weil es ein­fach aus­sieht und nicht ein­fach ist.

Die Auf­gabe lau­tete bei allen 5 Systemen:

Schreibe einen Alter­na­tiv­text für dieses Bild nach den WCAG-Empfehlungen.“

Mehr nicht.

Keine wei­te­ren Hinweise.

Kein Kon­text.

Denn genau so arbei­ten viele Men­schen inzwischen.

ChatGPT: Der Romancier

Ein klei­ner Vogel mit röt­li­chem Gesicht und schwarz-gelben Flü­geln sitzt auf dem oberen Rand eines grauen Fut­ter­kas­tens. Eine feine Kette ist an seinem Bein befes­tigt und hängt am Kasten herab. Der helle, nahezu ein­far­bige Hin­ter­grund lässt Vogel und Kasten deut­lich hervortreten.”

Mit 280 Zei­chen ist der Alter­na­tiv­text über der selbst emp­foh­le­nen Text­länge von bis zu 150 Zei­chen. Trotz­dem fehlen wich­tige Informationen. 

Nir­gendwo erfährt der Leser, dass es sich um ein Gemälde handelt.

Nir­gendwo wird der Künst­ler genannt.

Und nir­gendwo wird deut­lich, warum dieses Bild im Arti­kel auftaucht.

Statt­des­sen ent­steht eine Beschrei­bung, die ebenso gut zu einem Natur­foto passen könnte.

Das zeigt sehr schön die Stärke und gleich­zei­tig die Schwä­che heu­ti­ger KI.

Sie erkennt Objekte erstaun­lich zuverlässig.

Sie erkennt den Kon­text nur dann, wenn wir ihn ihr verraten.

Kri­te­rien für Alter­na­tiv­text laut ChatGPT

Die WCAG selbst schrei­ben nicht vor, wie ein Alter­na­tiv­text for­mu­liert werden muss. Sie defi­nie­ren viel­mehr das Ziel: Bilder müssen für Men­schen, die sie nicht sehen können, inhalt­lich zugäng­lich sein. Die kon­kre­ten Emp­feh­lun­gen stam­men aus den WCAG Understanding-Dokumenten, den W3C WAI Tuto­ri­als und dem Acces­si­ble Name and Descrip­tion Computation.

Die wich­tigs­ten Emp­feh­lun­gen lassen sich so zusammenfassen:

Ein Alter­na­tiv­text soll ver­mit­teln, welche Infor­ma­tion das Bild trans­por­tiert.
Nicht:
Ein Vogel sitzt auf einem Kasten, der grau ist und zwei Beine hat.“
Son­dern:
Klei­ner Vogel sitzt auf einem Fut­ter­kas­ten und ist mit einer feinen Kette befes­tigt.“
Je nach Kon­text kann sogar rei­chen:
Dis­tel­fink auf einem Futterkasten.

Das­selbe Bild kann unter­schied­li­che Alter­na­tiv­texte benö­ti­gen.
In einem Vogel­le­xi­kon
Dis­tel­fink sitzt auf einem Fut­ter­kas­ten.“
In einem Kunst­mu­seum
Gemälde eines Dis­tel­finks auf einem Fut­ter­kas­ten.“
In einem Blog über Tier­hal­tung
Dis­tel­fink sitzt ange­ket­tet auf einem Fut­ter­kas­ten.“
Der Kon­text ent­schei­det, welche Infor­ma­tio­nen rele­vant sind.

Screen­rea­der kün­di­gen Bilder bereits an.
Nicht: Bild eines Vogels.“
Besser: Klei­ner Vogel sitzt auf einem Futterkasten.”

Es gibt keine Zei­chen­be­gren­zung in den WCAG.
Als Faust­re­gel:

  • ein­fa­che Fotos: 20 – 80 Zeichen
  • kom­ple­xere Motive: bis etwa 150 Zeichen
  • Dia­gramme oder Info­gra­fi­ken: kurze Zusam­men­fas­sung im Alt-Text, aus­führ­li­che Beschrei­bung im Fließtext.

Keine Infor­ma­tio­nen ergän­zen, die nicht sicht­bar sind.
Nicht: Der Dis­tel­fink sym­bo­li­siert Frei­heit.“
Nicht: Das berühmte Gemälde von Carel Fabri­tius.“
Wenn diese Infor­ma­tio­nen wich­tig sind, gehö­ren sie in den Text der Seite, nicht in den Alt-Text.

Ent­hält das Bild les­ba­ren Text, muss dieser im Alt-Text vor­kom­men.
Bei­spiel: Button mit Jetzt anmel­den
Alt-Text: Jetzt anmel­den”

Ist ein Bild gleich­zei­tig ein Link oder Button, beschreibt der Alt-Text die Funk­tion.
Nicht: Lupe” Son­dern: Suche“
Nicht: Dru­cker­sym­bol” Son­dern: Seite dru­cken”

Der Alt-Text fasst zusam­men.
Bei­spiel: Bal­ken­dia­gramm zeigt stei­gende Besu­cher­zah­len von 2020 bis 2025.“
Die detail­lier­ten Werte gehö­ren in den Fließ­text oder eine Langbeschreibung.

Der Alt-Text ist kein SEO-Feld.
Nicht: Vogel Dis­tel­fink Vogel­haus Natur Tier Gold­fink Vogelbild”

Per­ple­xi­tiy: Der Sachliche 

Ein klei­ner Stieg­litz sitzt auf einem grauen Fut­ter­häus­chen vor hellem Hintergrund.”

In 79 Zei­chen beschreibt Per­ple­xity knapp das Bild. Auf den ersten Blick ist daran wenig auszusetzen.

Der Vogel wurde kor­rekt erkannt. Der Hin­ter­grund eben­falls. Der Satz ist kurz und verständlich.

Und genau darin liegt das Problem.

Der Alter­na­tiv­text könnte genauso gut unter einem Vogel­füh­rer, einem Online-Shop für Vogel­häu­ser oder einem Natur­blog stehen.

Er ver­schweigt, dass es sich um ein Gemälde handelt.

Er ver­schweigt, dass dieses Gemälde über 370 Jahre alt ist.

Er ver­schweigt, dass der Vogel ange­ket­tet ist – ein Detail, das viele Betrach­ter als wesent­lich empfinden.

Und er ver­schweigt vor allem, warum dieses Bild über­haupt gezeigt wird.

Mit ande­ren Worten:

Per­ple­xity beschreibt das Motiv.

Nicht das Bild.

Und schon gar nicht dessen Bedeu­tung im Kon­text des Artikels.

Das ist kein schlech­ter Alternativtext.

Er ist nur unge­fähr so aus­sa­ge­kräf­tig wie die Beschrei­bung Ein Mensch sitzt auf einem Stuhl.“

Tech­nisch richtig.

Prak­tisch wenig hilfreich.

Kri­te­rien für Alter­na­tiv­text laut Perplexitiy

Die WCAG emp­feh­len für Alter­na­tiv­texte vor allem: Sie sollen den glei­chen Zweck wie das Bild erfül­len, kurz und prä­gnant sein und sich am Kon­text ori­en­tie­ren. Bilder, die nur deko­ra­tiv sind, brau­chen keinen inhalt­li­chen Alt-Text; sie soll­ten statt­des­sen als deko­ra­tiv behan­delt bzw. mit leerem alt‘ aus­ge­zeich­net werden. [bundesfachstelle-barrierefreiheit]

  • Beschreibe, was das Bild im Zusam­men­hang der Seite ver­mit­telt, nicht jede sicht­bare Ein­zel­heit. [info.cms.fu-berlin]
  • Halte den Text knapp, aber voll­stän­dig genug, damit Screenreader-Nutzende den Inhalt ver­ste­hen. Als Faust­re­gel wird oft so aus­führ­lich wie nötig, so wenig wie mög­lich“ genannt. [barrierefreies-webdesign]
  • Beginne nicht mit Bild von“ oder Foto von“, wenn das keine zusätz­li­che Infor­ma­tion lie­fert. [techs­mith]
  • Wie­der­hole Infor­ma­tio­nen nicht dop­pelt, wenn sie schon im umge­ben­den Text oder in einer Bild­un­ter­schrift stehen. [bundesfachstelle-barrierefreiheit]
  • Bei infor­mie­ren­den Bil­dern: Inhalt oder Funk­tion des Bildes beschrei­ben. [barrierefreies-webdesign]
  • Bei ver­link­ten Bil­dern: Das Link­ziel oder die Aktion nennen. [lf-barrierefreiheit-st]
  • Bei Bil­dern mit Text: Rele­van­ten Text­in­halt im Alt-Text wie­der­ge­ben. [barrierefreiheit.dh]
  • Bei kom­ple­xen Gra­fi­ken: Eine kurze Text­al­ter­na­tive plus even­tu­ell eine län­gere Beschrei­bung im direk­ten Umfeld. [info.cms.fu-berlin]

Ein guter Alt-Text ist neu­tral, kon­text­be­zo­gen und ver­mei­det unnö­tige Wer­tun­gen. Er sollte die für den Sei­ten­zweck rele­van­ten Infor­ma­tio­nen lie­fern, nicht die kom­plette Bild­äs­the­tik erklä­ren. [barrierefreies-webdesign]

Für dein Bild aus der vor­he­ri­gen Anfrage wäre bei­spiels­weise der kurze, sach­li­che Alt-Text pas­send, den wir schon for­mu­liert haben.

Claude: Der Gewissenhafte

Ölge­mälde eines Stieg­lit­zes, der auf einem an der Wand befes­tig­ten Fut­ter­kas­ten sitzt. Der kleine Vogel hat ein rotes Gesicht, schwarz-weißen Kopf und braun-goldenes Gefie­der mit gelben Flü­gel­strei­fen. An seinem Bein ist eine dünne Kette befes­tigt, die mit dem Kasten ver­bun­den ist. Der Hin­ter­grund ist in hellem Grau-Beige gehal­ten, der Vogel wirft einen deut­li­chen Schat­ten an die Wand. Unten die Signa­tur C. Fabri­tius 1654’.”

Mit 428 Zei­chen lie­fert Claude den längs­ten Alter­na­tiv­text, fast drei­mal so lang wie Claude selbst emp­fiehlt. Immer­hin werden Signa­tur, Jah­res­zahl und Bild­art erwähnt. 

Dieser Alter­na­tiv­text liest sich fast wie eine kunst­his­to­ri­sche Bild­ana­lyse. Die KI erkennt das Ölge­mälde, beschreibt den Stieg­litz, den Fut­ter­kas­ten, die Kette am Bein, den Hin­ter­grund und ent­deckt sogar die Signa­tur des Malers. Beein­dru­ckend? Ja. Hilf­reich? Nicht unbedingt.

Genau hier liegt ein häu­fi­ger Irrtum: Ein guter Alter­na­tiv­text ist nicht der­je­nige, der am meis­ten erkennt, son­dern der­je­nige, der am besten unter­stützt. Screenreader-Nutzende möchten schließ­lich keine Inven­tar­liste hören. Sie möchten ver­ste­hen, was auf dem Bild zu sehen ist – und vor allem, warum das Bild an dieser Stelle über­haupt ein­ge­bun­den wurde.

Die Signa­tur von Caro­lus Fabri­tius, der Schat­ten an der Wand oder die genaue Farb­nu­ance des Hin­ter­grunds mögen für Kunst­his­to­ri­ker span­nend sein. Für die meis­ten Men­schen, die sich durch einen Blog­ar­ti­kel bewe­gen, sind sie eher akus­ti­sches Kleingedrucktes.

Das Bei­spiel zeigt sehr schön, dass eine KI Bilder inzwi­schen erstaun­lich prä­zise ana­ly­sie­ren kann. Die eigent­li­che Her­aus­for­de­rung liegt aber woan­ders: zu ent­schei­den, welche Infor­ma­tio­nen für den jewei­li­gen Kon­text wirk­lich rele­vant sind. Und genau diese Ent­schei­dung kann uns heute noch keine KI zuver­läs­sig abnehmen.

Kri­te­rien für Alter­na­tiv­text laut Claude

Die WCAG behan­deln Alter­na­tiv­texte primär unter Erfolgs­kri­te­rium 1.1.1 – Nicht-Text-Inhalt (Level A, also die unterste Kon­for­mi­täts­stufe – Pflicht, nicht Kür).

Jeder Nicht-Text-Inhalt braucht eine Text­al­ter­na­tive, die den­sel­ben Zweck erfüllt. Was das kon­kret bedeu­tet, hängt von der Funk­tion des Bildes ab:

  • Infor­ma­tive Bilder bekom­men einen Alter­na­tiv­text, der den wesent­li­chen Inhalt beschreibt – nicht mehr, nicht weniger. 
  • Funk­tio­nale Bilder (Icons, But­tons, Links) beschrei­ben nicht, was zu sehen ist, son­dern was das Ele­ment tut. Ein Lupe-Icon in einem Such­feld bekommt alt=“Suchen”, nicht alt=“Lupe”.
  • Kom­plexe Bilder wie Dia­gramme oder Info­gra­fi­ken brau­chen eine Kurz­be­schrei­bung im alt-Attribut und eine Lang­be­schrei­bung im Fließ­text oder per aria-describedby.
  • Bilder von Text – also Text, der als Bild ein­ge­bet­tet ist – bekom­men den iden­ti­schen Wort­laut als Alter­na­tiv­text. Wobei die WCAG das Ein­bet­ten von Text als Bild grund­sätz­lich ver­mei­den will (1.4.5, Level AA).
  • Bild von …” oder Foto zeigt …” als Ein­lei­tung ist red­un­dant – Screen­rea­der kün­di­gen Bilder bereits an. Die Beschrei­bung fängt direkt mit dem Inhalt an.
  • Die emp­foh­lene Länge liegt bei etwa 100 – 150 Zei­chen, nicht weil es eine Regel ist, son­dern weil län­gere Texte die Nutz­bar­keit senken. Und der Alter­na­tiv­text muss zur Funk­tion des Bildes auf dieser Seite passen – nicht zum Bild in abstracto.

Gemini: Der Techniker

Das Ölge­mälde Der Dis­tel­fink’ von Carel Fabri­tius aus dem Jahr 1654. Ein klei­ner Stieg­litz sitzt auf einer grau­blauen Fut­ter­box, die an einer hellen, ver­putz­ten Wand befes­tigt ist. Der Vogel hat eine rote Gesichts­maske, einen gelben Strei­fen auf dem Flügel und ist mit einer feinen Kette am Fuß an der Stange gesichert.”

Mit 320 Zei­chen ist auch diese Bild­be­schrei­bung ist zu lang. 

Aber dieser Alter­na­tiv­text macht vieles rich­tig. Er erkennt nicht nur das Motiv, son­dern ordnet das Bild als Gemälde ein und nennt Titel, Künst­ler und Ent­ste­hungs­jahr. Für einen kunst­his­to­ri­schen Bei­trag kann genau diese Infor­ma­tion sinn­voll sein, weil sie den Kon­text des Bildes unmit­tel­bar vermittelt.

Trotz­dem zeigt sich auch hier ein typi­sches KI-Muster: Es wird beschrie­ben, was erkannt wurde aber nicht unbe­dingt, was für den Alter­na­tiv­text erfor­der­lich ist. Die detail­lierte Beschrei­bung der roten Gesichts­maske, des gelben Flü­gel­strei­fens oder der Kette am Fuß ist zwar kor­rekt, trägt aber nur dann zum Ver­ständ­nis bei, wenn diese Merk­male für den Inhalt des Bei­trags tat­säch­lich rele­vant sind.

Die KI beschreibt das Bild ein wenig so, als würde jemand den Inhalt eines Kühl­schranks auf­zäh­len, obwohl Sie nur wissen woll­ten, ob noch Milch da ist. Beein­dru­ckend genau – aber nicht unbe­dingt hilfreich.

Ein guter Alter­na­tiv­text beant­wor­tet eine ein­fa­che Frage: Welche Infor­ma­tio­nen braucht jemand, der das Bild nicht sehen kann, um den Inhalt des Bei­trags zu verstehen?

Gerade des­halb gefällt mir dieser Vor­schlag trotz­dem besser als die vor­he­ri­gen. Er beginnt mit dem Wesent­li­chen (Titel, Künst­ler und Gemälde) und lie­fert anschlie­ßend eine knappe Bild­be­schrei­bung. Mit einer klei­nen Kür­zung bei den Details wäre er für viele Web­sei­ten bereits eine sehr gute Grundlage.

Kri­te­rien für Alter­na­tiv­text laut Gemini

Die (WCAG) regeln die Anfor­de­run­gen für Alter­na­tiv­texte primär im Erfolgs­kri­te­rium 1.1.1 (Nicht-Text-Inhalt) auf Stufe A. Die zen­trale WCAG-Empfehlung besagt, dass jede Grafik eine Text­al­ter­na­tive benö­tigt, die den­sel­ben Zweck erfüllt wie das Bild selbst. Der Inhalt des Alt-Textes hängt dem­nach stark vom Kon­text ab.

  • Infor­ma­tiv: Bilder, die Infor­ma­tio­nen ver­mit­teln (ein Foto in einem Arti­kel). Der Alt-Text muss die Kern­bot­schaft oder das Motiv kurz beschreiben.
  • Funk­tio­nal: Bilder, die als Link oder Button dienen (eine Lupe für die Suche). Der Alt-Text darf hier nicht das Bild beschrei­ben, son­dern muss die Funk­tion benen­nen (alt=“Suche starten”).
  • Kom­plex: Dia­gramme, Karten oder Info­gra­fi­ken. Hier for­dert die WCAG einen kurzen Alt-Text als Iden­ti­fi­ka­tion gekop­pelt mit einer aus­führ­li­chen Lang­be­schrei­bung im umlie­gen­den Text oder via Verlinkung.
  • Prä­gnanz: Alt-Texte soll­ten kurz und auf den Punkt sein (Richt­wert: maxi­mal 80 bis 120 Zeichen).
  • Keine Red­un­danz: For­mu­lie­run­gen wie Bild von…“ oder Grafik zeigt…“ sind zu ver­mei­den, da Screen­rea­der den Ele­ment­typ ohne­hin als Grafik ankündigen.
  • Keine Wie­der­ho­lung: Infor­ma­tio­nen, die bereits in der direk­ten Bild­un­ter­schrift oder im Fließ­text stehen, gehö­ren nicht noch einmal in den Alt-Text.
  • Sprach­kon­sis­tenz: Die Spra­che des Alter­na­tiv­tex­tes muss mit der vor­ein­ge­stell­ten Haupt­spra­che der jewei­li­gen Web­seite übereinstimmen.

Word­Press AI: Das Werk­zeug ohne Meinung

Ein Vogel sitzt auf einem Kasten.”

33 Zei­chen. Word­Press AI wird in ver­schie­de­nen Plug­ins und dem Block-Editor ange­bo­ten und hat das Erwart­bare geliefert.

6 Wörter. Ich respek­tiere die Öko­no­mie. Wirk­lich. Aber 6 Wörter sind hier zu wenig.,

Nicht falsch. Aber auch nicht beson­ders hilfreich.

Wer das Bild nicht sehen kann, erfährt weder, dass es sich um ein Gemälde han­delt, noch dass der Vogel ange­ket­tet ist oder wes­halb dieses Bild über­haupt gezeigt wird.

Das ist kein Alter­na­tiv­text. Das ist ein Platz­hal­ter für einen Alter­na­tiv­text. Es erfüllt die tech­ni­sche Anfor­de­rung im selben Sinne, wie ein leerer Kühl­schrank die tech­ni­sche Anfor­de­rung eines Kühl­schranks erfüllt: Er exis­tiert, aber er nützt niemandem.

Und jetzt kommt der eigent­li­che Test

Alle 5 Ant­wor­ten könn­ten kor­rekt sein.

Und trotz­dem könn­ten alle 5 falsch sein.

Warum?

Weil keine KI weiß, warum ich dieses Bild aus­ge­wählt habe.

In diesem Arti­kel geht es nicht um Kunstgeschichte.

Nicht um Vögel.

Nicht um Carel Fabritius.

Ich ver­wende das Bild als Bei­spiel dafür, dass der Kon­text über einen guten Alter­na­tiv­text entscheidet.

Ein pas­sen­der Alter­na­tiv­text für diesen Blog­ar­ti­kel könnte des­halb lauten:

Ölge­mälde Der Dis­tel­fink“ von Carel Fabri­tius, 1654, dient im Arti­kel als Bei­spiel für gute Alternativtexte”

Dieser Alter­na­tiv­text beschreibt nicht nur das Motiv. Er erklärt, warum das Bild an dieser Stelle erscheint.

Und genau das unter­schei­det einen guten Alter­na­tiv­text von einer reinen Bild­be­schrei­bung. Bietet die Ver­öf­fent­li­chung eine Lang­be­schrei­bung, würde ich das Gemälde dort genauer beschreiben. 

Öko­ni­misch schwie­rig wird es, wenn das­selbe Motiv an meh­re­ren Stel­len in der Ver­öf­fent­li­chung oder im Pro­jekt ver­wen­det wird. Gut gepflegte Meta­da­ten sind dann manch­mal nicht hilf­reich und jede Ver­wen­dung benö­tigt even­tu­ell einen indi­vi­du­el­len Alternativtext.

Ein guter Alter­na­tiv­text für ein infor­ma­ti­ves Bild sollte kom­pakt, objek­tiv und kon­text­spe­zi­fisch den Inhalt des Bildes beschrei­ben. Er sollte ver­ständ­lich und mög­lichst kurz sein, sach­lich, ohne Inter­pre­ta­tio­nen und Meinungen. 

KI-Systeme erken­nen Details ganz wun­der­bar aber nicht den Kon­text der Bild­wahl. Dem KI-System sollte in der Auf­gabe Kon­text, Sprach­stil und Länge des Textes als Para­me­ter mit­ge­ge­bene werden.

Mein Fazit

Alle getes­te­ten KI-Systeme lie­fern brauch­bare Ergebnisse.

Manche sogar über­ra­schend gute.

Keine der KIs schreibt jedoch zuver­läs­sig per­fekte Alternativtexte.

Nicht, weil die Modelle schlecht wären.

Son­dern weil ihnen die wich­tigste Infor­ma­tion fehlt:

Der kom­mu­ni­ka­tive Zweck des Bildes.

Des­halb sehe ich KI heute nicht als Ersatz.

Son­dern als her­vor­ra­gen­den ersten Entwurf.

Sie spart Zeit.

Sie lie­fert Ideen.

Sie ver­hin­dert das gefürch­tete: Bild123_final.jpg“

Als fer­ti­gen Alter­na­tiv­text würde ich ihre Vor­schläge jedoch nur selten übernehmen.

Ein guter Alter­na­tiv­text ent­steht nicht allein durch Bilderkennung.

Er ent­steht durch Verständnis.

Und dafür ist der Mensch noch immer erstaun­lich nützlich.

Mein Tipp für die Praxis

Nutzen Sie KI.

Aber geben Sie ihr mehr Informationen.

Statt:

Schreibe einen Alternativtext.“

Lieber:

Schreibe einen Alter­na­tiv­text nach WCAG für dieses Bild. Das Bild befin­det sich auf einer Web­site für eine Wei­ter­bil­dung im Bereich Word­Press und soll die Zusam­men­ar­beit im Team zeigen. Der Alter­na­tiv­text soll maxi­mal 125 Zei­chen lang sein.“

Die Qua­li­tät der Ergeb­nisse steigt dadurch deutlich.

Nicht weil die KI intel­li­gen­ter wird.

Son­dern weil der Mensch bes­sere Fragen stellt.

Und das war eigent­lich schon immer eine gute Idee.

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amsel­reh­hase | 02.07.2026

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Ver­ein­fachte Zusammenfassung

Künst­li­che Intel­li­genz kann beim Schrei­ben von Alter­na­tiv­tex­ten helfen. Die Ergeb­nisse sind oft gut, aber nicht immer pas­send. Eine KI erkennt, was auf einem Bild zu sehen ist. Sie weiß jedoch nicht, warum das Bild auf einer Web­site ver­wen­det wird. Des­halb soll­ten Men­schen die vor­ge­schla­ge­nen Alter­na­tiv­texte immer prüfen und anpas­sen. Gute Alter­na­tiv­texte machen Web­sites für viele Men­schen besser nutzbar.

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